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Letzte Änderung
22.01.2007

Patenschaften für Südostasien

Anette Reinders
Stadtvertretung 25.01.2005 TOP 6
Übernahme von Patenschaft
- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich denke, jeder von uns hat noch die schrecklichen Bilder vor Augen, die nach dem 26. Dezember 2004 in unsere weihnachtlich geschmückten Wohnstuben flimmerten. Von Tag zu Tag steigerten sich die Zahlen der Toten und Vermissten – am letzten Freitag erreichte die Zahl der Todesopfer einen neuen Höchststand. Danach sind bei der verheerenden Flutkatastrophe in Südostasien 226.000 Menschen ums Leben gekommen. Eine unvorstellbare Zahl. Drei mal so viele Menschen, wie in unserer Stadt wohnen. Aber auch die Überlebenden stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Es gibt immer noch viele Verletzte, die nicht richtig ärztlich versorgt werden können. Hunderttausende von Obdachlosen leben unter primitiven Bedingungen und sind von Seuchen und Krankheiten bedroht. Viele Kinder haben ihre Eltern verloren, ganze Wohnviertel, Krankenhäuser und öffentliche Einrichtungen sind dem Erdboden gleichgemacht worden. Nach Angaben von Unicef sind allein 1,5 Mio. Kinder von den Auswirkungen der Katastrophe betroffen.

Nachdem das Ausmaß der Katastrophe deutlich wurde, ging eine große Welle der Hilfebereitschaft durch unser Land. Viele Menschen haben spontan etwas gespendet, Benefizveranstaltungen organisiert etc. pp. Ich habe aber auch andere Stimmen gehört, die gesagt haben, dass sich um andere Unglücke, seien es Hungersnöte, Erdbeben oder andere Naturkatastrophen, auch kein Mensch kümmere. Sicher ist die Betroffenheit bei der Flutkatastrophe in Südostasien u.a deshalb so hoch, weil dort auch viele Deutsche ums Leben gekommen sind – und vielleicht auch, weil der eine oder andere daran denkt, dass es auch ihn hätte treffen können. Natürlich wäre zu wünschen, dass sich bei anderen Unglücken ebenfalls eine so große Welle der Hilfsbereitschaft entwickeln würde - auf jeden Fall sollte die große Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürgern in unserer Stadt, den Menschen in den betroffenen Regionen zu helfen, aufgegriffen werden, damit eine zielgerichtete, unbürokratische und schnelle Hilfsaktion entsteht.

Nach Ansicht von Experten wird der Wiederaufbau in den zerstörten Gebieten 5 bis 10 Jahre dauern. Viele dieser Länder sind mit der Wiederherstellung der Versorgungsstrukturen und dem erforderlichen Bau von festen Wohnhäusern, Schulen, Krankenhäusern und öffentlichen Einrichtungen überfordert und auf Hilfe von außen angewiesen.

Der Bundeskanzler hat in seiner Sylvesteransprache vorgeschlagen, Patenschaften zu betroffenen Gemeinden im Krisengebiet einzugehen. Diesen Vorschlag hat die GALiN mit dem vorliegenden Antrag aufgegriffen. Dabei geht es nicht darum, eine neue Städtepartnerschaft einzugehen, sondern für einen begrenzten Zeitraum den Wiederaufbau in einer Kommune in Südostasien finanziell und materiell zu unterstützen. Getragen werden soll diese Hilfsaktion von allen gesellschaftlichen Gruppen dieser Stadt – von Vereinen, Verbänden, Institutionen, Firmen und Einzelpersonen. Jeder kann etwas beitragen.

Konkret könnte dies so aussehen, dass beispielsweise ein konkretes Projekt wie der Aufbau einer Schule, eines Krankenhauses oder einer sozialen Einrichtungen unterstützt wird. Dafür können sowohl Einzelspenden als auch Spenden über Firmen, Vereine, Schulklassen, Kirchengemeinden etc. gesammelt werden.

Die Hilfsaktion sollte auf jeden Fall in eine überregionale Hilfe eingebunden werden, damit die Hilfen koordiniert und Gelder zielgerichtet eingesetzt werden. Auch eine bestimmte Kontrolle vor Ort durch erfahrene Hilfsorganisationen wird sicher nötig sein. Wir wünschen uns aber auch so wenig Verwaltung wie möglich dabei – für unsere Stadt stellen wir uns vor, dass beispielsweise eine Anschubkoordination durch die Abteilung „Städtepartnerschaften“ erfolgt. Dort bestehen auch gewisse Erfahrungen mit Hilfsmaßnahmen durch die Estlandhilfe; Kontakte z.B. zum ASB sind vorhanden. Wir sind sicher, dass es aber auch Bürgerinnen und Bürger in unserer Stadt gibt, die bereit sind, sich für ein Hilfsprojekt ehrenamtlich zu engagieren.

Wir würden uns wünschen, dass die bereits angelaufenen Aktionen weitergeführt werden und ein gemeinsames Projekt dabei entsteht. Dabei dürfen wir aber auch nicht vergessen, dass auch an anderen Stellen auf dieser Welt – und auch in unserem eigenen Land, in unserer eigenen Stadt – Menschen gibt, die in Krisensituationen Hilfe von uns benötigen.

Wir möchten sehr um Zustimmung für unseren Antrag werben, damit es auch bei uns heißt „Norderstedt hilft“.

 

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