Sehr geehrter, lieber Thomas Behrendt,
sehr geehrte Festversammlung,
einen der ‚Stillsten unter den Stillen’ hat der Erste Stadtrat Dr. Freter Sie genannt. Nach den vielen Stunden, in denen ich versucht habe, mich Ihrer Persönlichkeit und Ihrem Werk zu nähern, bin ich sicher, damit hat er wohl auch die Abwesenheit jeglichen grellen Drangs zur Selbstvermarktung gemeint. Umso mehr können wir als Bürgerinnen und Bürger der Stadt Norderstedt stolz darauf sein, dass wir Sie doch ‚gehört’, dass wir Ihre Kunst, Ihr Können als Bildhauer, erkannt haben. Und so ist der Kulturpreis der Stadt Norderstedt zugleich der Höhepunkt einer langen Entwicklung, wie auch, da bin ich sicher, der Beginn einer Schaffensperiode, die den stillen Winkel ein Stück verlassen wird. Und wir als Mitglieder der Jury waren in einem kleinen, glücklichen Augenblick dabei.
Beim Blick auf Thomas Behrendts Vita wird deutlich, welch ungeheure Willenskraft ein Mensch, der Mensch Thomas Behrendt, entwickeln muss, den als richtig erkannten Weg auch zu gehen, welche Ausdauer, sich durch berufliche und persönliche Rückschläge nicht aufhalten zu lassen, und welch Gottvertrauen, sich auf diesem wahrhaft steinigen Pfad aufgehoben und geborgen zu fühlen.
Nach einem Studium von 1976 1985, zunächst allgemein an der Werkkunstschule in Hildesheim, dann der Kunstpädagogik an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, unter anderem mit dem Schwerpunkt Bildhauerei bei dem berühmten Professor Ulrich Rückriem, macht Thomas Behrendt 1988 sein Zweites Staatsexamen in Kunstpädagogik. Er ist damit zugleich auch Sport- und Schwimmpädagoge. Er sieht in dieser breiten Ausbildung sicher Möglichkeiten des Broterwerbs, Beruf und Berufung jedoch sind klar: freischaffender Bildhauer.
Es beginnen die Jahre der kleinen und größeren Projekte, der Honorartätigkeiten an Volkshochschulen als Dozent für Bildhauerei und Plastisches Gestalten, der Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen in Kindergärten, Schulen und Jugendeinrichtungen. Jahre, in denen der Lehrer Thomas Behrendt vor Erschöpfung und innerer Leere oft nicht mehr die Kraft findet, in der unterrichtsfreien Zeit als freischaffender Bildhauer zu arbeiten. Und wohl auch Jahre großer existentieller Nöte. Einer derjenigen, die in diesen Jahren Vertrauen in seine Fähigkeiten hatten und ihn immer wieder beauftragten, ist Werner Hutterer, der ehemalige Leiter der Norderstedter Volkshochschule. Er wird hier später noch ein Grußwort sprechen.
Ich habe Thomas Behrendt gefragt, wie er diese Sinnkrise überwunden hat. Aus seiner Antwort zitiere ich:
„Mein Glaube an Gott, und damit auch mein Glaube an mein eigenes gestalterisches Potential und an mich selbst und besonders an die Menschen, die zu mir stehen, mein Sohn Ole, meine Eltern und Geschwister, und an meine Freunde, hat mir geholfen...Ich habe mich nicht mehr als Opfer gesehen, sondern die Verantwortung für mein Leben wieder übernommen. Ich habe mich daran erinnert, dass ich weiß, „wo der Hammer hängt.“
Endlich, Mitte der 90er Jahre, findet Thomas Behrendts Arbeit mit Hammer und Meißel zunehmend die verdiente Anerkennung. Er wird zu Ausstellungen und internationalen Bildhauersymposien eingeladen, findet dort Ansporn durch Vorbilder wie den Bildhauer Professor Jan Koblasa oder den österreichischen Bildhauer Karl Prantl. Auch der „Vater der afrikanischen Bildhauerei“, Joram Mariga, ist ihm ein Vorbild in der intuitiven Annäherung an den Stein.
Thomas Behrendt nutzt diese Zeit auch, um eine Sprache, seine Sprache mit dem Stein und durch den Stein, zu entwickeln: Wenn ich geduldig hinhöre, dem Stein den gebührenden Respekt entgegenbringe, ihm seine Würde lasse, dann wird er mir „sagen“, was er werden will und mir zeigen, was in ihm steckt.
Bei einem dieser Symposien schlägt Thomas Behrendt in fünf Wochen, hauptsächlich in Handarbeit, also mit Hammer und Meißel, den vielen Bürgerinnen und Bürgern Norderstedts wohlvertrauten Stein mit dem Titel „Atlas“, der heute im Willy-Brandt-Park steht. Ein wahrer „Stein des Anstoßes“, wie die Geschäftswelt an seinem ersten Standort vor dem Herold-Center damals fand. Schade, mir hat der „Atlas“ dort als Kontrapunkt zur glitzernden Warenwelt immer gefallen. Heut’ ist das vergessen. Zumindest aber hat die damalige Diskussion dafür gesorgt, dass der Name des Bildhauers Thomas Behrendt erstmals einem breiteren Publikum bekannt wurde. - So macht doch alles einen Sinn.
Den vielen Menschen, die an seinen Kursen und Workshops teilnehmen, bringt Thomas Behrendt das Steinschlagen einfühlsam und begeisternd nahe.
Sie werden befähigt, sich der Materie intuitiv zu nähern, auf sich zu hören und sich zu vertrauen. Dabei holt er seine Absolventen dort ab, wo sie stehen. Sie sollen erfüllt, zufrieden, ja glücklich über ihre Leistung, nach Hause gehen.
Wie sehr Thomas Behrendt das gelingt, wird deutlich an dem Schreiben einer Bürgerin, mit dem sie ihn für den Kulturpreis vorschlägt. Ich darf mit ihrem Einverständnis daraus zitieren: „Mein Mann ist seit fast 13 Jahren bei ihm und kommt immer, erfüllt von den Stunden, glücklich nach Hause. Er ist auch der große Seelentröster für seine Gruppen jung und alt.“ Zitat Ende.
Zumindest in diesem Fall wissen wir also, dass Thomas Behrendt mit seiner warmherzigen Art für Seelen- und damit auch Familienfrieden sorgen kann. Obwohl das so nicht vorgesehen ist, bedanken wir uns mit der Verleihung des Kulturpreises bei ihm auch für seine exzellente, ausdauernde pädagogische Arbeit auf dem „Baui“ dem Bauspielplatz Falkenhorst.
Zum Schluss will ich noch einmal Thomas Behrendt zitieren, um Ihnen seine Motivation zu verdeutlichen: „Mein Yogalehrer hat mir einmal gesagt, dass es meine Aufgabe sei, die Welt schöner zu machen. Ich glaube, dass das eine sehr wichtige Aufgabe ist, für die es sich lohnt zu leben. Die Welt kann sich nur im Großen verändern, wenn wir auch im Kleinen damit anfangen.“
Dem ist nichts hinzuzufügen. Herzlichen Glückwunsch, Thomas Behrendt, und: Hau rein mit Liebe!
Es gilt das gesprochene Wort!