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Letzte Änderung
25.09.2009

Rede 'Naturbad'

Stadtvertretung am 22.09.09 – TOP 7 „Kleines Naturbad“ - Antrag der GALiN

Für die GALiN Fraktion: Maren Plaschnick – Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin,

sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst möchte ich Sie an das Motto erinnern, dass die Stadt Norderstedt anlässlich ihrer Bewerbung um eine Landesgartenschau ausgegeben hatte und mit dem sie die Ausschreibung für 2011 gewonnen hat: „Von der Stadt in die Natur – von der Natur in die Stadt“. ‚Stadt’ haben wir hier zweifellos genug, wo bleibt die ‚Natur’?

Aber wir reden hier nicht über die Landesgartenschau 2011 – sondern über die Folgen daraus für die Nutzung des Stadtparks mit einem See. An dem auch ein Naturbad vorgesehen ist. Ein Naturbad, das den Badebetrieb am See kanalisieren soll. Diese vernünftige Idee unterstützen wir – auch wenn damit nicht garantiert werden kann, dass nun niemand mehr von den Betonstufen der Promenade oder der Brücke ins Wasser springen wird. Das ist übrigens unabhängig von der Größe der Liegefläche im Naturbad! Und z.B. im Triathlon häufige Praxis!

Wir als GALiN wollen, dass das geplante Naturbad in der Kontur und den Abmessungen so bleibt, wie es mit dem Abtrag des Dammes gebaggert wurde! Dabei haben wir uns übrigens auf das Wort des Oberbürgermeisters verlassen. Ja, Pustekuchen! ... Das jetzt bereits gebaggerte Bad ist sowohl vom Nichtschwimmer- als auch vom Ausschwimm-Bereich groß genug für die Familien, die dort baden wollen. Es gibt Sandstrand und jede Menge grüne Liegewiese.

Und es erhält und schützt den limnologisch wertvollsten Teil des nördlichen Sees mit naturschutzrechtlich besonders wertvoller Fauna und Flora im Wasser und am Ufer! Die Vorstellung, es könnten sich gleichgültige, empfindungslose Menschen zum Sonnenbaden auf zugeschüttetem Froschlaich oder erstickten Amphibien niederlassen, finde ich persönlich wirklich ätzend!!! Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass der Mensch die Natur sehr wohl in bestimmten Bereichen unberührt lassen und trotzdem seinen Freizeitspaß haben kann!

Ihnen allen ist das ausführliche Schreiben des BUND mit den Anlagen zugegangen. Es macht deutlich, dass die ewig relativierenden Auskünfte des Oberbürgermeisters und des Baudezernenten keinesfalls immer zutreffend und – vor allen Dingen – keinesfalls immer verlässlich sind! Wir als GALiN Fraktion machen uns die Haltung des BUND zu eigen und hoffen auf Ihre Einsicht! Denn wie es ausgeht, entscheidet keineswegs das jetzt doch notwendige Planänderungsverfahren allein! Wir alle hier sind durch unseren Antrag aufgefordert, heute politisch Farbe zu bekennen!!!

Wollen wie ein schönes Bad in der Natur mit einer sandigen Landzunge und großer Liegewiese, so wie es hier bereits gebaggert wurde?

Oder

wollen wir ein Bad mit zugeschütteter Natur, dass den Norderstedter Familien keinesfalls mehr bietet, weil dann sofort ein Verdrängungswettbewerb durch die Sportvereine einsetzen würde???

Bisher hat die Stadtvertretung noch keinen Beschluss zum Naturbad speziell fassen können, weil alles bevorzugt im stillen Kämmerlein (namens Aufsichtsrat, dem wir vier Jahre nicht angehören durften) und hinter den Kulissen stattfand! Das ist ein demokratisches Unding! Wir als GALiN hoffen deshalb sehr, dass sich endlich ALLE Fraktionen in der Stadtvertretung auf ihre politische Verantwortung und ihre Wahlprogramme besinnen! Hier und Heute – denn ab dem 1. Oktober soll die 3. Baggerei mit umfangreichen Erdbewegungen und der Zuschüttung eines Seeteils beginnen!

Erlauben Sie mir noch ein Wort zur vielzitierten Wirtschaftlichkeit eines Naturbads. Angeblich wird ja ein großes Bad aus wirtschaftlichen Gründen benötigt. Nun, das Betriebsergebnis der ARRIBA an der Wiesenstraße brachte 2008 ein Defizit von über 1,9 Millionen Euro. Niemand wird wohl ernsthaft behaupten können oder wollen, dass dieses Defizit von einem Grasfrosch, einem Molch oder einer streng geschützten Pflanzenart verursacht wurde! Das bedeutet aber: Jeder der 840.000 Besucher im vergangenen Jahr wurde mit durchschnittlich 40 Cent durch die Allgemeinheit gesponsert. Übertragen auf das geplante Naturbad kann das doch nur heißen: Jeder Besucher weniger verringert auch hier das Defizit, oder?! So viel zu den teilweise abenteuerlichen wirtschaftlichen Betrachtungen, die uns hier vorgelegt wurden!

Im übrigen würde nicht nur die Natur durch das Großbad verlieren. Auch die Menschen, die sich mit Kind und Kegel auf der Wiese südlich des Rundweges niederlassen wollen. Jeder Quadratmeter mehr Liegewiese für das Bad gegen Eintritt, verringert die Fläche der kostenlosen Liegewiese. Man kann eben jeden Quadratmeter Stadtpark nur einmal verteilen. Entweder – oder! Wir als GALiN wollen, dass möglich viel der Stadtpark-Fläche nach der Landesgartenschau allen Bürgerinnen und Bürgern zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung steht!

Reichlich unverfroren fand ich den Versuch eines Geschäftsführers der Stadtpark Norderstedt GmbH, eines städtischen Bediensteten, auf einen einzelnen Stadtvertreter (nachzulesen in der NZ) Druck auszuüben! Eigentlich ist doch davon auszugehen, dass die demokratische Kleiderordnung von allen Bediensteten eingehalten wird. Der Oberbürgermeister ist dafür verantwortlich, dass diese Anklänge an gutsherrliche Zeiten aufhören! Wir sind hier hoffentlich längst nicht mehr tiefste Provinz, in der ordentliche demokratische Verfahren ersetzt wurden durch den Bürgermeister, der den Leuten stattdessen Köm und Bier ausgab. Also bitte!

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