Rede in der Stadtvertretung zum „Musikschulneubau“ im Stadtpark Maren Plaschnick (GALiN)
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin,
sehr geehrte Damen und Herren,
irgendwie fühle ich mich hier wie auf der falschen Veranstaltung. Auf der Suche nach einer dauerhaften Gastronomie im Stadtpark erst mit öffentlichen Millionen einem Gastronomen sein Geschäft finanzieren zu wollen, um dann doch lieber stattdessen eine prächtige Musikschule zu bauen. Zur Zeit geht’s hier zu wie auf einer Echternacher Springprozession: drei vor zwei zurück.
Nur Chaos aber kein Konzept!
Für den Bau einer Musikschule gibt es immer noch keine vernünftige Begründung. Wer sich an das ursprüngliche Konzept des Eigenbetriebs Kulturwerk erinnert, dem kann noch die Forderung im Ohr sein, Chor und Orchester der Musikschule hätten Anspruch auf moderne Übungsräume. Auch Vergleiche mit der Lübecker Musikhochschule wurden nicht gescheut...
Diese ganze Pracht für 2,375 Millionen Euro plus die Inneneinrichtung, die noch obendrauf kommt! Alles finanziert auf Pump und abgeschoben als Treuhandvermögen der Tribühne, damit es nicht so auffällt. ...
Und uns bleibt in dem Vielleicht-wenn-uns-nix-Besseres-einfällt-Restaurant ein Pianist auf 400 €-Basis, der täglich Beethovens „Wut über den verlorenen Groschen“ spielt!
Der Beschluss der Stadtvertretung im Februar war der finanziell und konzeptionell überzeugendere. Musikunterricht soll dort stattfinden, wo die Kunden der Musikschule sind: in den Stadtteilen, in den Schulen. Und das dicht besiedelte Garstedt erhält ein kulturelles Stadtteil-Zentrum. Deshalb lehnen wir den heutigen Beschluss ab.
Ein letztes Wort zur Echternacher Springprozession: Sie wurde von der Obrigkeit im Laufe der Jahrhunderte immer wieder mal verboten wegen zu viel Chaos. Auch da ist Norderstedt eine Idee voraus: Hier hüpft der Oberbürgermeister immer vorneweg!