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Letzte Änderung
10.02.2009

Kulturwerk

Rede Maren Plaschnick zum TOP 11 in der Stadtvertretung am 3. Februar 2009

Es gilt das gesprochene Wort!

„Kulturwerk/ Musikschule/ Dunantstraße/ Eigenbetrieb“

Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin,

sehr geehrte Damen und Herren,

unsere städtische Musikschule erfreut sich uneingeschränkt hoher Wertschätzung, die wir als Politiker über alle Parteigrenzen hinweg jährlich mit erheblichem finanziellen Aufwand unterstützen. Wir alle freuen uns über die zahlreichen Beweise ihrer erfolgreichen Arbeit. Basis dafür ist der Unterricht, lehren und lernen, fördern und fordern. Denn, so stellte es Umberto Eco fest, “Genie, das sind 10% Inspiration und 90% Transpiration“.

Dabei hat sich das dezentrale Unterrichtskonzept mit derzeit 16 Standorten für das weitläufige Stadtgebiet Norderstedts im Wesentlichen bewährt. Durch die veränderte Schullandschaft wird jedoch mit zunehmender Raumnot in den Nachmittagsstunden gerechnet, insbesondere für die Gruppen- und Ensemblearbeit.

Wir als GALiN Fraktion erwarten zum einen, dass die Musikschule mit dieser Entwicklung Schritt hält und verstärkt Kooperationen im Ganztagsschulbereich und in den Kitas anstrebt. Besonderer Bedarf dafür besteht sicher in allen Schularten, außer bei den Gymnasien, in denen Musik und Kunst traditionell einen höheren Stellenwert haben.

Zum anderen aber bieten wir der Musikschule mit den Räumen der ehemaligen Schule am Rodelberg eine Übungsstätte für die Gruppenarbeit an zentraler, verkehrsgünstiger Stelle. Auch die Gruppen, die Takt und Rhythmus in Bewegung umsetzen, finden hier ihren adäquaten Platz. Die Örtlichkeit bietet die Chance, zu einem kulturellen Treffpunkt mit VHS und Bücherei im dichtbesiedelten Garstedt zu wachsen. Wir sind überzeugt davon, dass die Musikschule die Chance erkennt und nutzen wird.

Da sich an der Konzeption des Kulturwerks am See nichts Wesentliches ändern wird, will ich mich zu diesem Punkt kurz fassen. Das Kulturwerk am See ist zum einen als Ersatz für den Festsaal am Falkenberg vorgesehen. Das bedeutet für die bisherigen Nutzer des FaF im Bereich der Kulturträger auch die gleichen Konditionen. Treuhandvermögen bedeutet eben KEINE Verschiebung in den GmbH-Bereich der Tribühne! Die Stadt Norderstedt bleibt Eigentümer und erstattet der GmbH den damit verbundenen Aufwand. Die Leiterin des Kulturbüros wird als künstlerische Leiterin in der MeNo auf eine lebendige kulturelle Vielfalt achten - wie bisher.

Die Kritik daran, dass die Musikschule keinen Neubau am Kulturwerk am See erhält, finde ich unangemessen und leider auch völlig an der Sache vorbei. Hier protestieren ja NICHT die Eltern sich irgendwie benachteiligt fühlender Musikschulkinder! Weshalb auch? Brauchen Musikzwerge oder Kinderchor überhaupt einen direkten Weg zur großen Bühne in einem extraordinären Veranstaltungsort? Ist es wirklich niemandem mehr zuzumuten, zwischen den Probenräumen hier und den Aufführungen da oder dort für einige Tage zu pendeln?

In den letzten Tagen habe ich zum Teil eine Stimmung verspürt, die mich doch sehr erschreckt hat. Es schien sich die Auffassung zu verbreiten: „Darunter machen wir es nicht!“ „Wir wollen mit der MusikHOCHschule Lübeck gleichziehen!“ „Wir brauchen den Bundeswettbewerb ‚Jugend musiziert’!“ und, und, und ...

(Ausrichter in diesem Jahr ist übrigens die europäische Kulturhauptstadt Essen mit derzeit rund 600.000 Einwohnern.) Sehr geehrte Damen und Herren, wir reden hier über einen zwar qualitativ hochwertigen, aber immer noch AMATEURBEREICH! Was also spricht dagegen, das Kulturwerk am See AUCH mit kultureller Vielfalt von überregionaler Bedeutung, AUCH mit professioneller Kunst und überragenden Konzerten internationaler Künstler – wie etwa beim SHMF - zu füllen???

Noch ein letztes Wort zu den Rechenspielen, die herum geistern. Der hier beklagte Phantomschmerz gilt einem Papiertiger namens „Musikschul-Neubau“, der mit mindestens zwei Millionen Euro, wahrscheinlicher 2,5 Mio. Euro, zu veranschlagen ist. Nackt, ohne Innenausstattung. Ein nicht energiesaniertes Gebäude, egal, wieviel einmal als Erlös im Haushalt veranschlagt wurde, ist derzeit praktisch unverkäuflich. Jeder am Rodelberg investierte Sanierungs-Euro wertet das Objekt in zweifacher Hinsicht auf: als kultureller Standort und als städtische Immobilie. Es sollten also nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden!

Statt zu jammern, sollten wir uns gemeinsam auf das freuen, was kommt! Wie sagte Klaus Bölling doch so kenntnisreich mit einem Augenzwinkern: >In der Provinz, das wissen wir alle, da ist Kraft - und manchmal auch Herrlichkeit.<

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