Offener Brief
Von Ingrid Betzner-Lunding, Mitglied der GALiN Fraktion im Ausschuss für Schule und Sport
Regionalschule Garstedt: die beste weiterführende Schule Norderstedts?
Sehr geehrter Herr Lühr,
in der letzten Sitzung des Ausschusses für Schule und Sport am 17.08.2011 wurden die Pläne für die Überplanung der Regionalschule Garstedt vorgestellt. In diesem Zusammenhang haben Sie uns ein Papier des Instituts für Schulentwicklung von Dr. Otto Seydel aus dem Jahr 2009 mit dem Titel
„Pädagogische Überlegungen zum Thema Schulbau“ als Anlage überreicht.
Mit diesem Aufsatz so nehme ich an wollten Sie Ihre pädagogische Haltung verdeutlichen und die Notwendigkeit eines Neubaus für die Regionalschule Garstedt untermauern, der die Stadt über 17 Mio. Euro kosten würde.
Ich schätze und bewundere Ihr Engagement und Ihren persönlichen Einsatz für diese Schule, wie auch für die Hauptschule Falkenberg außerordentlich und kann Ihre Beweggründe gut nachvollziehen.
Dennoch möchte ich Ihnen aus drei unterschiedlichen Perspektiven rückmelden, wie diese Tischvorlage auf mich wirkt:
„Ein Kind hat drei Lehrer:
Der erste Lehrer sind die anderen Kinder.
Der zweite Lehrer ist der Lehrer.
Der dritte Lehrer ist der Raum.“
Als Mutter von drei Kindern, die ihre Schulzeit erfolgreich absolviert haben, sehe ich durchaus den Stellenwert von Schule, und der war in unserer Familie immer sehr hoch angesiedelt. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass von weit wichtigerer Bedeutung das Elternhaus ist.
Sicher war es nicht Ihre Intention, dies anzuzweifeln, mit einer solchen Texteröffnung kann jedoch leicht der Eindruck entstehen, dass der Wert des Elternhauses zu gering geachtet wird.
Als besondere Alleinstellungsmerkmale für die Regionalschule Garstedt stellen Sie heraus:
Langes gemeinsames Lernen
Die selbstständige aktive Auseinandersetzung mit dem Lernstoff
Integration bzw. Inklusion
Als Pädagogin in der beruflichen Erwachsenenbildung stimme ich Ihnen zu, dass dieser Paradigmenwechsel notwendig ist. Er wird aber nicht erst in ferner Zukunft kommen, sondern ich erlebe ihn bereits auf einem guten Weg. In dem trägen Apparat Schule leider noch nicht so, wie es in der beruflichen Praxis erforderlich ist, aber es geht voran und wird Standard in allen weiterführenden Schulen werden und ist damit nicht länger ein Alleinstellungsmerkmal.
Zu einer selbstständigen und handlungsorientierten Arbeitsweise gehört es jedoch auch zwingend, nicht nur die Rolle des Lernenden, sondern auch des Lehrenden zu verändern. Eine deutliche räumliche Trennung der Räume der Verwaltung und des Lehrkörpers von den Ausbildungsräumen ist bei einer solchen Arbeitsweise nicht mehr zeitgemäß. Diese findet sich jedoch in dem Entwurf des Neubaus, der uns vorgestellt wurde.
Selbstständiges Lernen erfordert keine separaten Räume zum Selbstlernen, sondern Aufgabenstellungen, die das eigenverantwortliche Handeln und Lernen herausfordern und dies an jedem Ort, in jedem Raum.
Als Ausschussmitglied habe ich die Aufgabe, Neuerungen und Strukturen der Schullandschaft kritisch mit auf den Weg zu bringen und die Gelder der Stadt und damit aller Bürger effektiv einzusetzen. Die pädagogische Ausrichtung einer Schule ist nicht Aufgabe des Schulausschusses sondern vielmehr die Bereitstellung von genügend Schulangeboten in den jeweiligen Stadtteilen.
Die Haltung und das Ziel der GALiN sind eindeutig:
Für Garstedt, Harksheide, Friedrichsgabe und Glashütte jeweils ein Gymnasium und eine Gemeinschaftsschule (z.Zt. noch Regionalschule in Friedrichsgabe) und keine Konkurrenzschulen in unmittelbarer Nähe. Gute Pädagogik findet z. B. auch in der Willy-Brandt-Schule statt und kann durch weitere engagierte Kollegen noch besser werden. Es gibt keinen logischen und schon gar keinen monetären Grund, in einer Entfernung von ca. 2 km drei weiterführende Schulen aufrecht zu erhalten. Die Chance, hier in den nächsten Jahren die weiterführenden Schulen zusammenzufassen, eventuell eine gemeinsame Oberstufe zu organisieren (wie vor einigen Jahren bereits geschehen) und der Kommune dadurch neue Wege zu ermöglichen, sollte von der Politik genutzt werden.
Dabei sollte der Aurikelstieg als Schulstandort erhalten bleiben. Es muss jedoch erlaubt sein, hier ganz neu zu denken und die engen Schranken der Besitzstandswahrung zu überwinden, wie auch die engen Grenzen veralteter Pädagogik überwunden werden müssen.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Ingrid Betzner-Lunding
GALiN Fraktion