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Letzte Änderung
21.06.2010

Scharfe Kritik am "System Eintracht"

PRESSEMITTEILUNG v. 19. Juni 2010

Scharfe Kritik am "System Eintracht"

Mit Befremden reagiert die GALiN Fraktion auf bekannt gewordene Praktiken in der Kinder- und Jugendförderung des Fußballclubs Eintracht Norderstedt. Der Vater eines DJugend-Spielers hatte sich Ende der Woche neben der Eintracht selbst auch an die Norderstedter Kommunalpolitik gewandt, um seinem Ärger Luft zu machen. Seinem Sohn und fünf weiteren Jugendlichen war zuvor nach teils sechsjähriger Vereinsmitgliedschaft und einem ersten Platz in der abgelaufenen Saison nahegelegt worden, den Verein zu verlassen. Begründung: Der Junge könne in der nächsten Saison physisch nicht mithalten, außerdem gehöre die Selektion zur Umsetzung der „strategischen Sportziele des Vereins“, zum „Fußball als Spitzensport“.

Und diese Schilderung scheint kein Einzelfall zu sein: sie entspricht vielmehr anderen Erfahrungsberichten, die der GALiN Fraktion in den letzten Monaten zugetragen wurden.

Demnach werden aus den Mannschaften der Eintracht regelmäßig Jugendliche „aussortiert“ und nachdrücklich aufgefordert, den Verein zu verlassen, wenn sie den geforderten Leistungsansprüchen der Trainer nicht genügen. Diese „Auslese“ wird nach Informationen der GALiN Fraktion in fast allen Teams des Clubs praktiziert, nur die jüngsten Jahrgänge, also die Kinder, sind davon weitgehend ausgenommen.

Das „System Eintracht“ beruht dabei offenbar auf einer simplen Selektionstechnik: Spätestens ab der älteren D-Jugend – wir sprechen hier von 12jährigen – wird nur noch ein Team pro Altersjahrgang vorgehalten. Die 1. D-Jugend besteht also derzeit aus 1997 geborenen Jugendlichen, die 2. C-Jugend ist der 96er-, die 1. C-Jugend der 95er Jahrgang, u.s.w.. Die Teams bestehen dabei aus maximal 20 Spielern, die sich angesichts regelmäßiger Probetrainings auswärtiger Talente immer wieder neu beweisen müssen: Werden neue Talente aufgenommen, müssen Spieler aus dem vorhandenen Kader gehen. Weil die Eintracht kaum Chancen hätte, die Jugendlichen gegen ihren Willen loszuwerden, wird ihnen lediglich „empfohlen“, sich nach einem neuen Verein umzusehen. Gehen sie dann nicht freiwillig, genügt meist der Hinweis darauf, dass sie nie wieder in einem Pflichtspiel eingesetzt werden.

Fraktionsmitglied Olaf Harning, ein Kenner der örtlichen Fußball-Szene, ist entsprechend verärgert: „Anfangs hielten wir die Berichte für Einzelfälle, mittlerweile aber stellt sich uns ein System ständigen Leistungsdrucks und ständiger Rausschmisse dar. Das können wir im Jugendbereich nicht akzeptieren“. Insbesondere vor dem Hintergrund des Engagements der Eintracht-Führung in Fair-Play-Projekten bleibt der GALiN Fraktion nur Zynismus: „Mit „Fair Play“ werben und dann reihenweise Jugendliche mobben, das muss sich erst mal jemand ausdenken“, kommentiert Harning das „System Eintracht“. „Wie will man den jungen Menschen Fairness und Respekt voreinander vermitteln, wenn Spieler bei jeder Schwäche gnadenlos fallen gelassen werden?“

Für die GALiN Fraktion ist daher klar, dass sie bis auf weiteres keine öffentlichen Gelder mehr für den Verein befürworten kann. Und die flossen bisher reichlich: Alleine in den vergangenen beiden Jahren bewilligte die Kommunalpolitik insgesamt 1,562 Mio. Euro für den Bau von Kunstrasenplätzen und eines Umkleidetraktes, dazu kommen die Vorzüge, die Eintracht Norderstedt aus seiner „Gemeinnützigkeit“ zieht. „Gemeinnützig?“ , fragt da nicht nur Harning, „wo ist denn gnadenlose Auslese gemeinnützig?“ Die GALiN Fraktion fordert die Verantwortlichen des Vereins auf, ihr „System“ der radikalen Besten-Auslese grundlegend zu überdenken und sich an ihre eigene Satzung zu halten. Dort nämlich ist das Nebeneinander von Spitzen- und Breitensport ausdrücklich verankert. Außerdem gebe es im Leistungsbereich durchaus andere Möglichkeiten, Jugendförderung zu betreiben: Nur wenige Kilometer westlich etwa, praktiziere der Niendorfer TSV „hervorragende Nachwuchsarbeit“, ohne freilich irgendjemanden rauszuwerfen. Olaf Harning: „Der NTSV hat drei, vier, manchmal sogar fünf Teams pro Jahrgang. Schafft es da jemand nicht in „der Ersten“, wird er in den anderen Teams aufgenommen und nach seinem Können weiter gefördert“. Ähnlich soll es nach Informationen der GALiN auch beim benachbarten SC Alstertal-Langenhorn aussehen, dessen A-Jugend nächste Saison wohl in der Regionalliga antritt – unter anderem gegen die vielgelobte A-Jugend der Eintracht: Auch in Langenhorn gibt es bis zu drei Teams eines Jahrgangs, auch hier ist ein Mobbing à la Eintracht nicht bekannt.

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