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Die Stadt braucht neue Gewerbeflächen
Interview mit Stefan Witt NZ vom 20.04.04
Der Verein Norderstedt Marketing e.V. wurde als Private-Public-Partnership mit der Stadt gegründet mit dem Ziel, das Produkt STADT NORDERSTEDT überregional zu vermarkten. Eine Stadt, auch Norderstedt, ist geprägt durch ihre Bürgerinnen und Bürger, also die Bereiche Wohnen und Leben und Arbeiten. Leider widmet sich der Vorsitzende von Norderstedt Marketing, Stefan Witt, ausschließlich dem Bereich Wirtschaft. Vielleicht liegt es daran, dass er zwar in Norderstedt arbeitet, aber im Kreis Pinneberg lebt. Dadurch entgehen ihm wesentliche Aspekte des Gemeinwesens Stadt Norderstedt.
Norderstedt ist mehr als die Anhäufung von Gewerbeflächen. Deshalb darf von Norderstedt Marketing substantiell mehr erwartet werden, als jeder Wirtschaftslobbyist sowieso argumentativ zu bieten hat. Schade, folgt man Witts Ausführungen, hat die Stadt Norderstedt keine Chance, jemals eine eigene Identität zu entwickeln. Gewerbegebiete, mögen sie auch noch so ein schickes Straßenbegleitgrün kriegen, sind nun einmal nicht identitätsstiftend.
Äußerst fragwürdig sind die Rechnungen, die Norderstedt Marketing aufmacht, weil sie den Produktivitätsfortschritt der nächsten 20 Jahre nicht berücksichtigen. Innovativ wäre ein Konzept gewesen, das Arbeit als Denkleistung beschreibt, die nur noch Blaupausen exportiert. Der Flächenverbrauch ist dann verhältnismäßig gering und Gewerbegebiete alten Stils werden 2020 tatsächlich von vorgestern sein. Zunächst aber müssen in den bestehenden Gewerbegebieten Leerstände beseitigt und Möglichkeiten der Umnutzung geschaffen werden.
Besonders veräppelt müssen sich durch Stefan Witts Überlegungen jedoch die Einwohner des alten Dorfs Garstedt fühlen. Wurde ihnen bisher eine Entlastung durch die Westum-gehung versprochen, stellt sich jetzt heraus: Bis 2020 werden sie von Verkehr und Gewerbe in allen Himmelsrichtungen umzingelt sein. Umgeben von Lärm, Dreck und Gestank, werden die Einwohnerzahlen bis 2020, allein schon durch den Exodus in Garstedt, eher sinken als auf 80000 steigen. Die GALiN Fraktion bedauert, dass sich Norderstedt Marketing mit dieser verkürzten Sicht auf die tatsächlichen Ansprüche an städtische Urbanität als Gesprächspartner zu Fragen der Stadtentwicklung disqualifiziert hat, stellt die Stadtvertreterin Maren Plaschnick enttäuscht fest.
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